Regionale Wirtschaftsförderung und Industriegeschichte im Kanton Aargau

Regionale Wirtschaftsförderung gewinnt neue Partner

Die Wirtschaftsförderung Oftringen Rothrist Zofingen hat mit Aarburg und Strengelbach zwei neue Mitglieder begrüsst. Ab 2026 arbeiten die beiden zum Bezirk Zofingen gehörigen Gemeinden in der regionalen Wirtschaftsförderung mit, wie bei einer Sitzung des Steuerungsausschusses bekannt gegeben wurde.

Die Erweiterung ermöglicht die Teilnahme am Potenzialräume-Projekt des Kantons Aargau, sofern der Grosse Rat den entsprechenden Kredit bewilligt. Damit eröffnen sich laut Mitteilung neue Möglichkeiten, die wirtschaftliche Entwicklung der Region gemeinsam und koordiniert voranzubringen.

Strategische Schwerpunkte und personelle Wechsel

Der Wirtschaftsförderer Adrian Borer präsentierte bei der Sitzung die Entwicklung der Kontakt- und Vermittlungsstelle seit ihrem Start 2015. Die operativen Aktivitäten konzentrieren sich auf vier Aspekte: die Pflege bestehender Unternehmen, die Entwicklung und Aktivierung von Arealen, die Begleitung von Ansiedlungen sowie die Vernetzung und Imagepflege der Region.

Ein zentrales Anliegen bleibe der Erhalt und die Schaffung gewerblich-industrieller Arbeitsplätze. Mit den neuen Mitgliedern sei die Wirtschaftsförderung in eine bessere Position gerückt, um Herausforderungen wie Flächenverfügbarkeit und Arealentwicklung anzugehen.

Bei der Sitzung wurden zudem drei Mitglieder des Steuerungsausschusses verabschiedet: Zofingens Stadtpräsidentin Christiane Guyer sowie die Gemeindeammänner Ralph Ehrismann (Rothrist) und Hanspeter Schläfli (Oftringen).

Die Industrialisierung des Aargau: Von der Textilfabrik zum High-Tech-Standort

Der Kanton Aargau hat eine wechselvolle industrielle Geschichte durchlaufen. Am Beispiel Aaraus lässt sich diese Entwicklung von der Frühindustrie bis zur heutigen Wirtschaftsstruktur nachvollziehen.

Eisenbahn und industrieller Wandel

Ab 1858 verkehrten Züge der Schweizerischen Centralbahn auf der Linie Olten–Aarau–Zürich. Aarau entwickelte sich zum regionalen Eisenbahnknotenpunkt, wodurch sich östlich des Bahnhofs entlang der Gleisanlagen zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe ansiedelten. Sie profitierten von der effizienten Anbindung an das Schienennetz für den Transport von Rohstoffen und Fertigprodukten.

Die Industrialisierung brachte jedoch nicht nur Fortschritt, sondern auch Umweltprobleme. Historikerin Claudia Aufdermauer beleuchtet in ihrem Buch «Vergiftete Schweiz – Eine andere Geschichte der Industrialisierung» die negativen Folgen industrieller Produktion. In einem Vortrag am Historischen Museum Baden zeigte sie auf, wie früh Menschen auf stinkende Flüsse und gesundheitliche Beschwerden reagierten. Die Umweltgeschichte wirkt bis heute nach, etwa bei «ewigen Chemikalien» wie PFAS.

Von der Textil- zur Zement- und Elektroindustrie

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts geriet die Textilindustrie in eine Krise, ausgelöst durch protektionistische Zölle der Nachbarstaaten. An ihre Stelle traten andere Industriezweige: 1832 nahm Karl Herosé als Erster im Kanton die Zementfabrikation auf, gefolgt von weiteren Fabriken 1856 und 1882. Das Unternehmen von Albert Fleiner entwickelte sich zu einem der grössten Betriebe der schweizerischen Zementindustrie.

Mit der Elektrifizierung änderte sich die Branchendurchmischung erneut. Der Bau von Kanälen an der Aare ermöglichte die Errichtung von Kraftwerken, die ab 1893 und 1912 Strom lieferten. 1900 eröffneten Carl Sprecher und Hans Fretz eine Fabrik für elektrische Apparate, die später als Sprecher + Schuh bekannt wurde. Weitere Unternehmen wie Kummler & Matter (1889) und die 1913 gegründete Firma Maxim stellten elektrothermische Apparate beziehungsweise elektrische Kleingeräte her.

Industriekultur als Erlebnisangebot

Die industrielle Vergangenheit wird heute touristisch vermarktet. Eine zweiteilige Führung zur Aarauer Industriegeschichte führt vom mittelalterlichen Handwerk über frühindustrielle Gewerbeorte bis zur Textilindustrie und Elektrifizierung. Die Kombiführung mit dem Stadtmuseum Aarau kostet CHF 245 für 90 Minuten und ist für Gruppen bis 20 Personen buchbar.

Wirtschaftsausblick 2026: Investitionen und Konjunktur

Die Schweizer Unternehmen erwarten für 2026 einen moderaten Investitionsaufschwung. Gemäss der KOF Investitionsumfrage der ETH Zürich rechnen sie mit einem nominalen Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Sektorspezifische Entwicklungen

Während die Dienstleistungsunternehmen mit einem Zuwachs von 3 Prozent rechnen, stagniert das Verarbeitende Gewerbe (0 Prozent) und das Baugewerbe erwartet einen Rückgang (-2 Prozent). Die Ausrüstungsinvestitionen sollen um 5,0 Prozent steigen, während die Investitionen in Forschung und Entwicklung einen Zuwachs von 1,2 Prozent erwirtschaften sollen.

Die technische Entwicklung ist der wichtigste Motor für die Investitionstätigkeit, während Nachfrage und finanzielle Ressourcen weniger stark stimulieren als bisher. Auffällig ist die Zunahme geplanter Auslandsinvestitionen: Der Anteil der Unternehmen, die Direktinvestitionen im Ausland tätigen wollen, steigt von 4 auf 13 Prozent.

Regionale Wirtschaftsstimmung

Trotz globaler Turbulenzen zeigt sich die Aargauer Wirtschaft robust. Laut AIHK-Schätzungen bleibt die Mehrheit der Unternehmen optimistisch, auch wenn die Konjunktur kühlende Tendenzen zeigt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt stabil.